Der Entwurf (5)

Kochen mit Plan oder am Anfang das Ende im Sinn haben.

Wenn Freunde zum Essen kommen überlegen wir, was wir kochen möchten. Wir überlegen, ob die geplanten Speisen zu unseren Fähigkeiten passen, ob unsere Küche zur Zubereitung groß genug ist und wie wir die Speisen anrichten sollen. Wir durchdenken den Tag bereits ein erstes Mal, bevor wir zur Tat schreiten.

Dies ist die Entwurfsphase. Sie ist die wichtigste Phase eines Projekts und hilft Abhängigkeiten zu entdecken.

Es ist normal, dass wir uns bei erster Betrachtung Dinge immer einfacher vorstellen, als sie in der Realität sind.  Stellen wir beim Kochen fest, dass wir den Sauerbraten hätten einlegen müssen, ist der Fehler nicht mehr wettzumachen. Wir können nur noch Krisenmanagement betreiben: Ein neues Hauptgericht festlegen, zusätzlich einkaufen oder den Fertigstellungstermin verschieben.

Im der komplexen IT spart eine gründliche Entwurfsphase Kosten: je früher Anforderungen erkannt werden, desto geringer der Aufwand. Eine Regel besagt, dass in IT Projekten die Kosten einer Änderung in jeder Phase um etwa den Faktor 10 steigen.

Dazu folgendes Beispiel:
Ist eine Anforderung bereits bei der Initialisierung dokumentiert, so bauen alle folgenden Phasen direkt auf der Anforderung (15 Minuten) auf.

Wird die Anforderung erst im späteren Entwurf erkannt, so muss sie zusätzlich dokumentiert, kommuniziert und die Finanzierung geklärt werden (2,5 Stunden).

In der Realisierungsphase müssen zudem das Klassenmodell modifiziert, die Layouts angepasst und die Änderungen implementiert werden (3 Tage).

Nach der Einführung des Systems kämen sogar die Aufwände für den erneuten Test, die Freigabe, die Installation auf dem Produktivsystem, den Endtest, die Änderung der schriftlichen Dokumentation (Text und Bild) sowie Übersetzungen und Druckkosten und Information der Anwender hinzu (3 Wochen).

Projekte ohne gründliche Entwurfsphase sind teuer: sie werden mit erheblich höherem Aufwand realisiert; oder sie scheitern ganz.